HEINZ TRÖKES


 

Ausstellung:

HEINZ TRÖKES zum 100. Geburtstag – AQUARELLE aus fünf Jahrzehnten

Heinz Trökes "Spätsommer", Aquarell 1975
"Spätsommer", Aquarell 1975

Als einer der führenden Vertreter der deutschen Nachkriegsmoderne gehörte Heinz Trökes (1913-1997) zu den wandlungsfähigsten und unabhängigsten Malern seiner Generation. Anlässlich seines Jubiläums würdigen wir – nach dem Lindenau-Museum in Altenburg – den künstlerischen Individualisten und Kosmopoliten mit einem Querschnitt aus dem umfangreichen Aquarellwerk der Jahre 1951 bis 1992.

 

Eröffnung:

Sonntag, 21. Juli 2013, 11.00 Uhr

 

Im Gespräch:

Manuel Trökes M.A., Leiter des Trökes Archivs Berlin und Sohn des Künstlers

 

Ausstellungsdauer: 21.07. - 03.11.2013

 

Zur Ausstellung ist der Katalog "Möglichkeiten auf Blau" erschienen.

 

Heinz Trökes "Tropical", Aquarell 1960
"Tropical", Aquarell 1960

Die Galerie Kley übernimmt einen Teil der Ausstellung „Möglichkeiten auf Blau“ des Lindenau-Museums in Altenburg und zeigt daraus einen Querschnitt mit über 40 Arbeiten.

 

Mit unserer 10. Einzelausstellung würdigen wir das vielfältige Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers und reihen uns ein in eine Vielzahl von bundesweiten Ausstellungen zu Ehren von Heinz Trökes 100. Geburtstag in 2013 (s. unten).

 

Da sich Heinz Trökes in keine Schublade und in keinen „Ismus“ einordnen ließ, war er für die Kunstkritiker-Szene nur schwer greifbar und geriet darüber in eine gewisse Außenseiterposition. Für den Galeristen Werner Kley hingegen gehörte Heinz Trökes seit den Anfängen seiner Galerie 1971 nicht nur zum festen Künstlerrepertoire mit regelmäßigen Einzelausstellungen und Editionen, sondern wurde darüber hinaus eine Art väterlicher Freund. Zur Vernissage unserer 10. Einzelausstellung mit Heinz Trökes wollen wir mit seinem Sohn Manuel, dem Leiter des Trökes-Archivs in Berlin, auf ein bewegtes Künstlerleben zurückblicken.

 

Heinz Trökes‘ Lebenseinstellung und seine Kunstauffassung waren geprägt von den vielen Reisen, mehrjährigen Auslandsaufenthalten und den zahlreichen Bekanntschaften zu Künstlerkollegen seiner Zeit.

 

Spätestens seit 1945 gehörte Heinz Trökes zum engen Kreis der neuen deutschen Künstlergeneration: Studium bei Itten und Muche, Begegnungen mit Kandinsky und Breton, Freundschaften zu Max Ernst und Wols, Weggefährte von Baumeister und Nay – und doch bewahrte er seine künstlerische Freiheit, blieb nur sich selbst, niemals einer Stilrichtung oder Konventionen verpflichtet, bereit dem Neuen mit seiner eigenen, stets wandlungsfähigen Formensprache zu begegnen.

 

Sein außergewöhnliches Œuvre ist geprägt von Farbabstraktionen, informell anmutenden Kompositionen, mythischen Farbräumen, aber auch von poetischen und atmosphärischen Landschaftsfantasien.

 

Das Spiel, die Heiterkeit und der Ernst, der Mut zum unberechenbaren Wandel, gar zum Bruch im Stil – Komponenten des Gesamtwerks lassen sich anhand der Aquarelle wunderbar nachvollziehen.

 

Trökes‘ Aquarelltechnik - bisweilen unter Hinzufügen von Gouache, Farbstift und Kreide – lässt in Schichten an- und aufgelegten Farbgründe durchscheinen, geheimnisvoll und transparent werden; mitunter leuchten sie wie magisch von innen heraus. Die Liniengefüge, Motivsprenkel und nur leicht vorgenommenen Raumverschränkungen bilden ein Zusammenspiel mit dem Gleich- und Wechselklang der Farbtöne. Manchmal ist der Grund des Papiers weiß belassen, häufig blickt man wie in der Aufsicht von oben auf die Farbfelder, deren wässrig klare Formen ganz der Fläche eingebunden sind.

 

In den frühen 60er Jahren schafft H. T. eine Folge von dunkel temperierten, erdhaften Aquarellen mit reduzierter Zeichengebung. Grundiert und eingebunden in vorherrschende Braun-oder Rußtöne, angereichert um subtil abgestimmte, gebrochene Farbwerte von Rot, Grün, Blau oder Ocker, sind diese Blätter, die das Querformat bevorzugen. (s. „Tropical“, 1960)

 

Auf jene Blätter mit ihren weichen, chromatischen, bisweilen nebelartigen Farbübergängen folgen in den nächsten Jahren (1966 – 1971) Aquarelle mit einer ausgesprochen kräftigen, exotischen Farbigkeit sowie außerordentlich präzise konturierten Formen. Sie wirken wie ein Paukenschlag mit dem Aquarellpinsel! Der Stilwandel erscheint jäh. Keine Zwischentöne, sondern klare „Buntheit“ der Farben, die Assoziationen an die Pop-Art wachruft. Auch Psychedelisches scheint auf. Die Gegenstände sind eindeutig benennbar – Hand, Fisch, Kristall, Halbmond, Auge, Flamme, Kopf, Schmuckband -, doch es herrscht das Alogische des Traums. Alle Elemente sind der Flächenhaftigkeit verschrieben – nebeneinander, über- und untereinander, selbst ineinander in kompositorisch völlig gleichberechtigter Weise. Raum als solcher existiert nicht, zumindest nicht in streng perspektivischer Ausrichtung.

 

Mitte der 70er Jahre behält H.T. zunächst die Farbigkeit bei, jedoch wesentlich abgemildert und erneut unter dem Einsatz von gebrochenen Tönen. Das Landschaftliche rückt wieder in das Geschehen der Aufmerksamkeit. Weite Teile des Papiers, vor allem die Randzonen, bleiben in diesen Aquarellen frei; umso stärker können sich die Einzelformen zu kompositorisch-rhythmischen Gebilden entfalten. (s. „Spätsommer“ 1975)

 

Heinz Trökes "Farbvernetzung", Aquarell 1992
"Farbvernetzung", Aquarell 1992

Nach einem Intermezzo mit Grisaille-Arbeiten, die mit Chinatusche und unter der Beigabe von Wasser leicht und transparent wirken, kehrt zu Beginn der 80er Jahre die Farbe wieder in die Aquarellarbeiten zurück, die sich mehr dem Landschaftlichen zuwenden. Zehn Jahre später entsteht eine letzte, in sich geschlossene Gruppe von Aquarellen, die vollkommen aus dem Material und dem Geist der Wasserfarben heraus geschaffen sind. Die Farben sind leicht, oft durchscheinend, die Farbverläufe fließend und übergangslos. Die Motive sind reduziert auf lineare und flächige Strukturen und Texturen. Es geht nur noch um das Aquarell und die Farbe an sich, als Quintessenz und Vermächtnis eines vielschichtigen Malerlebens. Titel wie „Aquarell - Aquarell“ oder „Farbvernetzung“ lassen dies deutlich werden.

 

 

 

 

 

 

Ausstellungen zu Ehren von Heinz Trökes 100. Geburtstag in 2013:

 

Heinz Trökes – die frühen Jahre (1933-1950)

Ausstellung im Haus am Horn, Weimar

Freitag, 15. März - 2. Juni 2013

Freundeskreis der Bauhaus-Universität Weimar e.V.

in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar

 

Heinz Trökes  –  Am Mondfenster

Grafik und Malerei der 50er bis 70er Jahre

Galerie Profil, Geleitstr. 8,  99423 Weimar

Freitag, 15. März - 25. April 2013

 

Möglichkeiten auf Blau – Heinz Trökes zum 100. Geburtstag. Aquarelle 1951 - 1992

Lindenau Museum Altenburg

04600 Altenburg/Thüringen.

Samstag, 27. April - 14. Juli 2013

 

Heinz Trökes zum 100. Geburtstag - Aquarelle aus fünf Jahrzehnten

Galerie Kley, Werler Straße 304

59069 Hamm/Westfalen

21. Juli - 3. November 2013

 

ELDORADO

Heinz Trökes ein Duisburger Maler

Lehmbruck-Museum, Duisburg

Eröffnung:  7. November 2013

 

Heinz Trökes - die frühen Jahre (1933-1950)

Übernahme der Ausstellung aus Weimar.

Galerie Heimeshoff, Brigittastr. 7,  45130 Essen

Eröffnung: 8. November 2013

Lebenslauf

 

1913 Heinz Trökes wurde am 15. August in Hamborn/Rhein geboren
1932-33 Besuch der Kunstgewerbeschule in Krefeld
1933-36 Schüler von Johannes Itten in Krefeld
1936-38 als Maler in Augsburg
Lebensunterhalt durch Textilentwürfe
1937 in Paris Begegnung mit Kandinsky
1938 erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Nierendorf, die auf Veranlassung der Nationalsozialisten geschlossen wird; Ausschluss aus der Reichskulturkammer und bis 1945 keine Ausstellungsmöglichkeit
1939 Übersiedlung nach Zürich, um von dort nach Holländisch-Indien auszuwandern, was durch Ausbruch des 2. Weltkrieges unmöglich wird; Rückkehr nach Deutschland
1940 Studium bei Georg Muche in Krefeld
Einberufung zur Wehrmacht
1941-45 Flaksoldat in Berlin
Besuch der freien Kunstschule von Max Dungert in Berlin
1945 Mitbegründer der ersten privaten Kunstgalerie nach dem Krieg in Deutschland, der Galerie Gerd Rosen in Berlin
1945-46 künstlerischer Leiter der Galerie Gerd Rosen, Berlin
1947 Ruf an die Staatliche Hochschule für Architektur und Kunst in Weimar; nach einem Semester Beendigung der Lehrtätigkeit
1948-49 Aufenthalt in Rodenbach bei Neuwied, danach wieder Berlin
1949 Heirat mit Renata Severin
Artikel in der Zeitschrift „Les Temps Modernes“, Paris (Direktor Jean Paul Sartre) über „La peinture moderne et le public en Allemagne. L´inflation d´expositions et le scandale qu´elles provoquent“
1950 Preisträger beim Blevin Davis-Wettbewerb in München
1950-52 in Paris Freundschaft mit Wols und Paul Celan; Teilnahme an dem wöchentlichen jour fixe um André Breton (Perét, Duchamp, Toyen, Max Ernst, Tamayo, Hérold)
1952-56 Aufenthalt auf Ibiza
1955 Kritikerpreis Berlin
1956 Berliner Kunstpreis
1956-58 Leiter der Abteilung für Freie Grafik an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Hamburg
1958 Glasfenster auf der Interbau in Berlin
1959 Aufenthalt auf der Insel Ägina in Griechenland
1961 Mitglied der Akademie der Künste Berlin
1962-65 Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
1965 Ruf an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin
Kirchenfenster in Leonberg bei Stuttgart
1966 Experimente mit Georg Muche an einem Helioclichografen in Kassel, um elektronisch gesteuerte Drucke herzustellen
1968 LSD-Malversuche mit Dr. Hartmann, München
Ehrenmitglied der Accademia Internazionale "Tommaso Campanella di Lettere-Arti-Szience" in Rom
1972 Seminar für Freie Malerei an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg
1978 drei Gobelin-Entwürfe (Ausführung durch die Fränkische Gobelin-Manufaktur)
Farbgebung eines 17-stöckigen Wohnblocks in Berlin-Schöneberg
Beendigung der Lehrtätigkeit in Berlin
1979 Retrospektiv-Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin
1980 Retrospektiv-Ausstellung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg
1983 Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin anlässlich seines 70sten Geburtstages

 

Seit 1932 ausgedehnte Studienreisen in Europa, Afrika, Nord- und Lateinamerika, Asien, Australien und im Süd-Pazifik.

 

Heinz Trökes starb am 22. April 1997 im Alter von 83 Jahren.

 

Einzelausstellungen in und mit der Galerie Kley 1972, 1973, 1978, 1982, 1987, 1992, 1994, 2004, 2013

 



 


 
 
   
   

Auszüge aus seinem Werk

Heinz Trökes Gestuft Sehräume

Gestufte Sehräume
Öl auf Leinwand 1960

ca. 63,5 x 102 cm

Fahnenfest
Original Farbserigrafie 1973

ca. 59 x 49 cm

Das rote Herz
Öl auf Leinwand 1967

ca. 130 x 100 cm

 

Heinz Trökes Große Liebe

Große Liebe
Original Farbserigrafie1973

ca. 59 x 49 cm

Heinz Trökes Karneval in...

Karneval in...
Mappe mit 6 Original Farbserigrafien 1974

Einzelblatt ca. 34 x 25 cm

Abends
Aquarell 1977

ca. 50 x 65 cm