AKTUELLE AUSSTELLUNG


HolzART


Ein Werkstoff wird lebendig. Naturbelassen, bemalt, erleuchtet, geritzt, geschnitzt, gesägt... In unserer neuen Ausstellung „HolzART“ wird das Naturmaterial Holz auf künstlerisch vielseitige Weise in Szene gesetzt: Mit Holzmotiven, Holzschalen, Holzskulpturen, Holzschnitten bzw. Malereien auf Holz hauchen unsere Künstler diesem wertvollen Rohstoff neues Leben ein. Die Einzigartigkeit dieses Naturproduktes liegt auch in seiner Beschaffenheit. Wuchs, Farbe, Maserung und Struktur sind bei jedem Baum, jedem Holzstück einzigartig. Dies vermag jeder Künstler ganz unterschiedlich für sich zu nutzen.

 

Bernd Moenikes z.B. schafft mit handwerklichem und künstlerischem Geschick Figuren, Formen und Objekte aus massiver Eiche. Mit zum Teil schwerem Gerät ausgestattet, verwirklicht der aus Dortmund stammende Künstler vorlagenfrei seine oftmals lebensgroßen Holzunikate. In unserer Ausstellung können die Werke des Künstlers im Innen- und Außenraum bewundern werden. Zu Moenikes Werk gehören neben den formal reduzierten Figuren auch fein und detailliert ausgeformte Skulpturen. In unserer Ausstellung können Letztere als Gemeinschaftsprojekt mit dem ebenfalls aus Dortmund stammenden Künstler Günter Rückert bestaunt werden.

 

Humorvoll, überspitzt und zuweilen etwas bissig präsentiert Günter Rückert Skurriles aus dem Alltag. Auch die Bildtitel seiner Kunstwerke sind nicht immer ganz ernst zu nehmen. Rückert sucht bewusst nach provozierenden Titeln, mit denen er die Situationen auf seinen Bildern zu verstärken versucht. Diese Skurrilitäten sind in unserer Ausstellung nicht nur auf besagten Skulpturen des Gemeinschaftsprojektes von Günter Rückert und Bernd Moenikes zu begutachten, sondern auch auf kleinen bemalten Holztäfelchen sowie in seinen Holzkopp-Zeichnungen.

 

Die Gevelsbergerin Brigitte Riechelmann nähert sich der wichtigen Ressource Holz eher zwanglos, frei nach Picasso sucht sie nicht, sie findet. So bleibt in ihrer Installation „Ypsilonten“ die natürliche Form des Holzes erhalten. Hier ist es die Komposition der einzelnen Elemente, die in ihrer Gesamtheit ein besonderes Motiv offenbaren. Diese Art von Installationen im „Naturraum“ bzw. das Wechselspiel und die Symbiose von Kunstwerk und öffentlich-natürlichem Raum sind charakteristische Merkmale der sogenannten „Land-Art“. Landschaftskunst in abstrahierender Weise zeigen Riechelmanns kleine Malereien auf Holztäfelchen auf eigens gefertigten Ast-Staffeleien, und der Materialmix ihrer kleinen Skulpturen spiegelt ihre Neugier und Kombinationsfreude natürlicher Gegenstände wider, die Titel weisen auf Fernweh, Abenteuerlust und Entdeckerdrang hin.

Riechelmanns Ypsilonten machen sich wie die Beachies von Horst G. Loewel auf den Weg, sie alle sind auf der Reise, unterwegs, um zu finden, was wirklich wichtig ist.

 

Der Maler und Bildhauer Horst G. Loewel ist der phantastisch-surrealistischen Kunstrichtung zuzuordnen. Sein zentrales Thema ist die Umwelt. Der Künstler kombiniert bei seiner Arbeit bildhauerische und malerische Elemente. Eine seiner Passionen ist der Umgang mit Zedernholz. Dabei bevorzugt er angeschwemmtes Treibholz, das er, soweit möglich, in seiner von der Natur geschaffenen Form belässt, um es letztlich zu bemalen. In diesem Zusammenhang entstanden die sogenannten Beachies und Fische – farbenfroh bemalte Holzfische, welche stehend oder frei hängend ein Stück nur vom Künstler berührte Natur darstellen. Loewels malerisches Werk zeigt im Wesentlichen kosmische Landschaften, die voller Symbolik sind. Diese Merkmale lassen sich auch in dem Kunstwerk „Schrein der vier Elemente“ wiederfinden. Es sind Visionen einer traumhaften, irrealen Welt, dargestellt mit unbegrenzter Phantasie.

 

Kunst im öffentlichen Raum spielt auch bei der Künstlerin Monika Nelles eine Rolle. Die Krefelderin betrachtet in Ihren Werken Menschen, Gegenstände, Situationen und Gegebenheiten aus einem andersartigen und überraschenden Blickwinkel. Ihre Kunst bindet für uns "Alltägliches" in einen neuen Kontext und fordert den Betrachter auf diese Weise heraus, konventionelle Sicht- und Denkweisen zu überwinden. Mit ihrem künstlerischen Schaffen eckt Monika Nelles an und sorgt auf diese Weise für interessante Diskussionen über die Inhalte ihrer Werke und über Kunst im Allgemeinen. Vor allem Ihre Titelgebungen sind maßgebend für ihre Bilder, Objekte und Installationen. Besuchen Sie ihre „Soundbox meiner Stille“. Auch hier trägt der Raum im Freien unmittelbar zur Wirkung des Kunstwerkes bei. So ist es das durch das verschieden farbige Fenster eintretende Licht, welches den Besucher der Soundbox im Inneren mit Farben durchflutet. Diese werden regelrecht aufgesogen und sorgen für eine besondere Gefühlsintensität und ein „In-sich-gehen“. Die „kleineren“ Holzarbeiten der Künstlerin zeigen ebenfalls eine ganz eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Holz. Sie setzen vor allem charakteristische Merkmale dieses Naturproduktes in Szene.

 

Was hat Holz mit Stein zu tun? Beantworten werden Ihnen diese Frage die beeindruckenden Bilderwelten von Christoph Pöggeler. Denn in seinen farbintensiven Lithografien verbinden sich Motive und Figuren auf einzigartige Weise mit dem Element Holz. An dieser Stelle sei gesagt, dass es manchmal auch hilft an ein Bild näher heranzutreten, um Feinheiten und Muster wahrnehmen zu können.

 

Auch Veronika Olmas sogenannte Schattenboxen, welche durch eine perspektivisch ausgeklügelte Bemalung auf Holzkästen hervorstechen, oder Frank Haases dynamisch-lebendige Schattenbilder präsentieren das Thema Holz aus einem innovativen Blickwinkel.

 

Neben Skulpturen, Objekten und Installationen ist ein weiterer wichtiger Bereich zum Thema Kunst und Holz die graphische Technik – genauer gesagt die Herstellung von sogenannten Holzschnitten. Holzschnitte stellen die älteste drucktechnische Form der Vervielfältigung dar. Bei diesem Hochdruckverfahren werden jene Teile aus dem 2-5 cm dicken Holzstock weggeschnitten, die nach dem Abdruck auf dem Papier nicht sichtbar sein sollen. Die ältesten erhaltenen Holzschnitte stammen aus dem 8. Jh. aus Ostasien. In größerem Umfang wurde der Holzschnitt erst nach der Verbreitung des Papiers in Europa gebräuchlich (gegen Ende 14. Jh.).

 

In unserer HolzART-Ausstellung zeigen wir eine kleine Auswahl an farbigen Holzschnitten von Heinz Stein. Das Leben, die Poesie und die Schönheit der Natur sind ihm ein Anliegen. Der 85-jährige Gelsenkirchener schuf bis heute über 2000 Holzschnitte und Farbholzschnitte, die bereits auf allen Kontinenten ausgestellt wurden. Außerdem hat er vor kurzem erst seinen 108. Aphorismenband vorgestellt.

 

Im Galerieeingang können Sie bereits Jockel Reisners Appell für den Frieden betrachten. Seine afrikanische Friedenstaube schwärmt in leuchtender Farbigkeit aus, um auf der Welt ihre Botschaft zu verbreiten. Und seine tiefe Verbundenheit zu Hamm stellt der großartige Autodidakt mit den Wassertürmen unter Beweis. All seine Werke besitzen eine ausdrucksstarke Expressivität und hohe Symbolkraft, mitunter sind seine Themen, wie man so schön sagt, starker Tobak.

 

Der Bochumer Künstler H.D. Gölzenleuchter thematisiert in seinen zum Teil großformatigen Holzschnitten den Menschen. Zwischenmenschliche Begegnungen, Liebe, Hass, Freude, Trauer – der Mensch ist facettenreich, wie das Leben selbst. Der Mensch ist Teil der Natur, positiv wie auch negativ, zerstörerisch. Diese Verbundenheit wird durch Titel wie „Im Holz gefunden“ oder „Frau-Baum“ deutlich. Neben der Tatsache, dass es sich bei jedem Holzschnitt um einen Unikatdruck handelt, ist die Besonderheit in dieser Ausstellung auch die Möglichkeit die passenden Druckstöcke zu den jeweiligen Holzschnitten erwerben zu können. Auf eindrucksvolle Weise lässt sich hier ein Stück des Entstehungsprozesses nachvollziehen.

 

Ein prägendes Vorbild für Gölzenleuchter war HAP Grieshaber. Dieser erneuerte nach dem Zweiten Weltkrieg den Holzschnitt und entwickelte ihn zum eigenständigen, monumentalen Wandbild. Während der Diktatur des Nationalsozialismus konnte der links orientierte Künstler nur im Verborgenen künstlerisch arbeiten. Dennoch entstand bereits in dieser Zeit ein beachtliches Holzschnittwerk. Seine Themen spannen sich von der Flora und Fauna der Schwäbischen Alb über Liebespaare, religiöse und mythologische Darstellungen bis hin zu politischen, sozialen und ökologischen Fragen. Im Zentrum seines Werks standen dabei stets der Mensch und die Menschenwürde, wofür er sich engagierte, wann immer es ihm nötig erschien.

 

Der aus Erlangen stammende Künstler Gerd Kanz zeigt in unserem Kaminzimmer faszinierende Abstraktionen, welche an florale Motive und Naturphänomene erinnern. Die Besonderheit seiner reliefartigen Holztafeln und -skulpturen liegt im raffinierten Zusammenspiel von pulsierenden Farben und einer außergewöhnlichen Oberflächenstruktur. Seine Arbeiten sind ein visuelles Erlebnis, aufregend und experimentell.

 

Einen Kontrast hierzu bilden die ebenfalls im Kaminzimmer ausgestellten sanft-zurückhaltenden Arbeiten der Hannoveranerin Antje Wichtrey. 6 Farbholzschnitte, von Hand auf dünnes Japanpapier gedruckt, geben Ausschnitte aus dem Hohelied Salomons (aus dem AT) wieder. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von zärtlichen, teilweise explizit erotischen Liebesliedern, in denen das Suchen und Finden, das Sehnen und gegenseitige Lobpreisen zweier Liebender geschildert wird. Ebenso leicht und poetisch wirken Wichtreys bemalte Druckstöcke. Sie zeigen den Abschluss einer vorausgegangenen Auflage an Holzschnitten und wurden von der Künstlerin zu eigenständigen Kunstwerken umgewandelt.

 

Im gesamten Ausstellungsraum unseres Erdgeschosses können weiterhin die fein gearbeiteten Drechsel-Arbeiten der Künstler Holger Hinrichs und Hartmut Lobert bestaunt werden. Wunderbare Holzobjekte aus Eiche, Ulme, Olive und vielen anderen Hölzern sind zu Schalen, Gefäßen und Objekten gearbeitet worden. Die Verarbeitung und der Umgang mit dem organischen Material zeigt die Erfahrung und Kenntnis der Künstler, um die Schönheit dieser Naturprodukte auch dauerhaft zu erhalten. Berühren und anfassen erlaubt. Ein Highlight sind die ungewöhnlichen Objekte aus dem Meer von Christine Wenzhöfer, einer besonderen Drechslerin, die eine ebenso besondere Technik für sich erarbeitet hat. In einer Kombination aus Drechseln, Fräsen, Sandstrahlen und Colorierung zeigt die Künstlerin fein gearbeitete Muscheln aus Mammutbaum, deren Titel auch Raum für die eigene Phantasie lassen.

 

Eine Seltenheit stellt sicherlich die Holzblume von Otmar Alt dar. 1976 im Schwarzwald gefertigt, nimmt dieses Objekt sicherlich im Oeuvre des Künstlers eine Ausnahmestellung ein. Wunderschön.

 

Schließlich zeigen wir zwei Werke von Hans Schmitt. Der Autodidakt arbeitete zunächst unter anderem als Kuhhirte, Bäcker, Waldarbeiter und Gemeindediener. Kurz vor Kriegsende verlor er seinen rechten Arm. 1969 schuf er erste Plastiken. Seine Werkstoffe waren aus Bauschutt zusammengetragenes Trümmerholz, Bretter und andere Materialien, aus denen er skurrile Menschen- und Tierplastiken schuf. Die unverbildeten, naiven Arbeiten des Bildhauers werden der Sculpture Brute zugeordnet.

Dauerausstellung


In unserer Dauerausstellung im Obergeschoss der Galerie endeckt der Besucher eine Vielzahl reginal, national und international bekannter Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Neben Malereien, Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken sind Fotografien, Skulpturen und Kunstobjekte ausgestellt. Auch unsere Dauerausstellung wird in regelmäßigen Abständen neu konzipiert und bestückt.