OTTO PIENE


Otto Piene in den späten 1960er Jahren. Foto von Lothar Wolleh

biografie


Otto Piene (deutsch, 1928 – 2014) war ein Maler, Grafiker, Aktionskünstler und Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO. Er gilt als ein Wegbereiter der Licht- und Feuerkunst sowie der Syk-Art-Aktionen. Er wurde 1928 in Lübbecke in Westfalen geboren. Er studiert von 1949 bis 1953 Malerei und Kunsterziehung an den Kunstakademien in München und Düsseldorf und von 1953 bis 1964 Philosophie in Köln. Daneben lehrt er von 1951 bis 1964 an der Modeschule in Düsseldorf.

 

1957 gründet Otto Piene mit Heinz Mack die Künstlergruppe ZERO ("Nullpunkt der Kunst"), die im Gegensatz zum abstrakten Expressionismus, die Farbleere mit wenig Emotionen und individuellem Ausdruck betonte. Die bei der Gründung der Gruppe „ZERO“ vorherrschende Idee war ein von der Ebene „Null“ ausgehender kompletter Neubeginn in der Malerei und die Einbeziehung in das künstlerische Schaffen von Licht (und Schatten) sowie – für Piene – auch von Feuer. Ihre Anschauung verbreiten Mack und Piene bis 1961 in der Zeitschrift „ZERO“. Im Jahr 1961 schließt sich als weiteres Mitglied auch Günther Uecker der Gruppe an. Bis zur Auflösung der Gruppe 1966 stellen die Künstler vielfach gemeinsam aus.

 

Ab 1964 erhält Piene zahlreiche nationale und internationale Aufträge und Auszeichnungen. 1964 geht er schließlich in die USA und nimmt eine Gastprofessur an der University of Pennsylvania an. Im folgenden Jahr zieht er nach New York. 1968 übernimmt er eine Lehrtätigkeit am Center for Advanced Visual Studies (CAVS) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Das Institut beruft ihn 1972 zum Professor für Umweltkunst und von 1974 bis 1994 zum Direktor des CAVS. 1996 wird Piene mit dem Sculpture Prize der American Academy of Arts and Letters ausgezeichnet und er erhält 2003 den Leonardo da Vinci World Award of Arts des Weltkulturrats.  2014 wird ihm der erste "Deutsche Lichtkunstpreis" verliehen.

 

Im Dezember 2008 gründet Piene zusammen mit Heinz Mack, Günther Uecker und der Stiftung Museum Kunstpalast die ZERO foundation. Die Künstler stiften 40 Werke sowie ihre Archive der ZERO-Zeit mit Fotografien und Dokumenten. Die Landeshauptstadt Düsseldorf fördert die Stiftung über einen Zeitraum von 30 Jahren.

 

Piene lebt und arbeitet zuletzt in Groton/Massachusetts, Boston sowie in Düsseldorf. Am 17. Juli 2014 stirbt er im Alter von 86 Jahren während einer Taxifahrt in Berlin, wo er sich anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung zu seinem Werk in der Neuen Nationalgalerie aufhielt.

 

 

Vertreten unter anderem in:

  • Museum Folkwang, Essen
  • Museum Ostwall im Dortmunder U
  • Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
  • Museum Ludwig, Köln
  • Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach
  • MIT List Visual Arts Center, Cambridge/Massachusetts
  • Smithsonian American Art Museum, Washington
  • National Gallery of Canada, Ottawa
  • National Museum of Modern Art Tokyo
  • Museum of Modern Art in New York
  • Walker Art Center in Minneapolis
  • Stedelijk Museum in Amsterdam
  • Centre Georges Pompidou in Paris

Werk


„Ich muss gestehen, dass ich in meiner Arbeit immer dann am glücklichsten war, wenn sie eine überraschende Wendung nahm.“ (Otto Piene)

 

Statt mit Farbe und Pinsel experimentierte Otto Piene seit den 60er Jahren mit neuen Materialien und setzte – auch gattungsübergreifend – die Naturelemente Licht, Bewegung, Wind, Feuer, Luft, Energie ein. So fasst Otto Piene Kunst, unter Einbeziehung von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und einer intensiven Verbindung von Kunst, Technologie und Natur, als ein energetisches Phänomen auf. Es geht ihm um "Reharmonisierung des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur". Mit seinen Werken prägte Piene die Entwicklung neuer Kunstströmungen, wie die Medienkunst oder die Performances, entscheidend.

 

1959 entwickelte Piene seine Rasterbilder, eine Art gemalte Schablone, bei der Punkte systematisch in einer Farbe platziert werden. Für diese Werke spielte er mit Licht, Muster und Schatten, um eine Tiefe zu erzeugen. Piene wollte objektive Kunst erschaffen und ließ in seinen Werken bewusst malerische Gesten aus und konzentrierte sich auf das Zusammenspiel von Kunst, Natur und Technik.

 

Neben seinen Rasterbildern, entwickelte Piene Das Lichtballett, eine Reihe von skulpturalen Installationen, bei denen Licht von beweglichen Kugeln und Messingsäulen auf große Netze projiziert wird. Gleichzeitig werden mithilfe von Brandquellen (Kerzen, Gasbrenner) Rauchspuren und Feuergemälde erzeugt, bei denen die Farbe verbrannt wird. Im Jahr 1959 entwarf Piene unter Bezugnahme auf elementare NaturenergienLichtballette und Rauchbilder. Die Spuren von Feuer und Rauch sind wichtige Elemente dieser Werke. Er experimentierte außerdem mit Multimedia-Kombinationen (1960). Bekannt ist Piene insbesondere durch das Lichtballett und weitere lichtkinetische Arbeiten. Außerdem schuf er aufgrund seiner intensiven Auseinandersetzung mit Licht und Bewegung Luft- undLichtskulpturen.

 

Anfang der 1960er Jahre schuf er seine Gemälde Schwarze Sonne und Fauna und Flora mit Bezug auf die Natur. Dies führte zu seiner Auseinandersetzung mit der Sky-Art, ein Begriff, den er 1969 geprägt hat, bei dieser liegen Landschaften und Städte im Mittelpunkt. 1972 schuf er den Regenbogen für Olympia für die Sommerspiele in München, mit fünf unterschiedlich farbigen, mit Helium gefüllten Röhren von 700 Meter Länge.

 

Einer der bekannten Werk-Zyklen von Otto Piene steht unter dem Titel „Blue Planet / Blauer Planet”. Piene setzt sich damit für den Erhalt unseres Blauen Planeten ein, indem er fordert: „Keep the Blue Planet green! / Der Blaue Planet soll grün bleiben!“ Bis zum Jahr 2009 schuf Otto Piene auf der Basis dieses Mottos jährlich neu die Trophäe des Internationalen Blue Planet Awards der Stiftung ethecon (Ethik und Ökonomie)als Unikat.

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