JOAN MIRÓ


Leben & Werk


 

Die Kunst des 20. Jahrhunderts, besonders die Kunst des Surrealismus, der als Auseinandersetzung mit der Welt des Unbewußten eine neue Wirklichkeit sichtbar zu machen sucht, ist ohne Picasso, Dalí und, last but not least, ohne Joan Miró ( 1893-1983) nicht denkbar. Joan Miró, am 20.04.1893 in Barcelona geboren, zeigt mit seinen Bildern eine neue, andere, aus Träumen und Unbewußtem stammende Wirklichkeit. Bereits mit 14 Jahren trat Miró in die Kunstakademie von Barcelona ein. Da er sich jedoch mit dem dort gelehrten akademischen Stil nicht arrangieren konnte, verließ er die Kunstschule und arbeitete als Kaufmann. Doch schon 1912 begann er wieder mit der Malerei und arbeitete von nun an als freier Künstler.

 

 

1918 kann er seine Arbeiten in seiner ersten Einzelausstellung dem Publikum präsentieren. 1919 kommt Miró erstmals nach Paris, wo er Picasso kennenlernt. In dieser Zeit setzt er sich mit dem Kubismus auseinander, gelangt jedoch bald zu einer Auflösung des Gegenständlichen. Die wich­tigste Aufgabe der modernen Malerei sah Miró darin, "die Quellen menschlichen Fühlens freizule­gen". Konsequent verfolgte er dieses Ziel. Fest entschlossen, herkömmliche Ausdrucksweisen hinter sich zu lassen, versucht er auf die Quellen des Instinktes zurückzugreifen.

 

 

Mirós Bilder stammen aus der Welt der Träume, aus dem Unbewußten. Sein Beitrag zum Surrea­lismus besteht jedoch nicht im fotgrafischen Abbild einer höheren und phantastischen Realität, sondern vielmehr im freien Phantasieren der Malerei.

 

Miró ist Pionier und Wegbereiter einer neuen Idee, die sich alsbald durchsetzen wird. Mit entwaff­nender Einfachheit der Mittel und unvergleichlicher Kraft des Ausdrucks, mit seinem unverwech­selbaren Stil erzielt sein Werk im höchsten Maße Allgemeingültigkeit.

 

 

Miró zeigt uns eine Bilderwelt voller eigenwilliger, seltsamer Zeichen, in denen der Betrachter Vögel, Sterne, Sonnen, Frauengestalten, antromorphe und zoomorphe Gestalten erkennen kann, sowie typische mirósche Personnages (=Zwitterwesen), halb Mensch, halb Tier oder Pflanze. Die Palette symbolischer Charaktere faßt Miró nicht allzu weit, doch gestaltet er diese Palette künstle­risch so wechselvoll, daß man vom Reichtum seiner Phantasie sprechen muß. "Für mich" - so Miró - "ist die Form niemals etwas Abstraktes, es ist immer ein Zeichen von et­was. Es ist immer der Mensch, ein Vogel oder sonst etwas. Für mich ist Form niemals Selbst­zweck." Mirós Symbole, seine Zeichen sind durchaus lesbar, wenngleich auch häufig verschieden deutbar. Er selbst hat auf die Polyvalenz seiner Zeichen ausdrücklich Wert gelegt. Wer Mirós Bilderwelt verstehen will, muß sich der suggestiven Kraft seiner Zeichen öffnen, muß sich öffnen, muß träumen, dann wird er etwas entdecken, sieht und liest er die Geschichte, die das Bild erzählt. Es war einmal...

 

Die Bilder aber leben nicht allein vom surrealen Inhalt, sondern entscheidend von der Rhythmik seiner Farben und Formen. Von ihrer Funktion als Kontur befreit, wird die Linie oftmals zur Kurz­schrift. Kalligrafie als wesentliches bildnerisches Element. Objekte werden zu Zeichen reduziert und realistische Details vermieden zugunsten von abstrakten Einzelheiten, die rein bildlich und or­namental zu verstehen sind.

 

Miró schuf eine neue Auffassung der Raumgestaltung. Er gestaltet den Raum als eine unbestimmte Umgebung, in der Fragmente von Anatomie und Landschaft sich durchdringen. Es ist ein fließen­der, viel gestaltiger Raum, in dem Formen treiben, kollidieren und sich vereinigen können, ein Raum, in dem Figuren in einer außerirdischen Atmosphäre treiben, schweben, statt auf einem Hintergrund, auf dem die Dinge abgesetzt werden, aufzubauen. Mit seiner neuen Raumkonzeption trug Miró wesentlich zur Entwicklung der großformatigen Farbfeldmalerei bei.

 

 

Miró hat sich Zeit seines Lebens die Fähigkeit zur Begeisterung und zum Staunen erhalten. Be­geisterung und Staunen, wie sie lang zurück Entdeckungen der Kindheit in uns wachriefen. Mirós Verfahren, Bilder zu erschaffen, war zweifellos mit dem surrealistischen Automatismus verwandt. Das Wort "Schock" taucht immer wieder bei ihm auf. Ein Kieselstein, ein Farbflecken beim Säubern seiner Pinsel oder die Struktur des Papiers konnten Auslöser für ein Bild sein, aus dem sich dann eine Komposition entwickelte. Mirós Malerei bewegt sich einerseits in der Sphäre des Halluzinatorischen, des Traumes, im gleichen Maße aber auch des wachen künstlerischen Be­wußtseins. Der Stil des Unbewußten bedeutet nicht, daß sich der Künstler den Mächten des Un­bewußten überantwortet. Im Wesentlichen bleibt das Werk Mirós eine Suche nach dem Glück im Zeichen der Kindheit.

 

 

Alberto Giacometti urteilte über die Kunst von Miró: "Für mich war Miró der Inbegriff der Freiheit. Etwas Luftigeres, Gelösteres, Leichteres als alles, was ich je gesehen hatte. In mancher Hinsicht ist er vollkommen. Miró kann keinen Punkt aufset­zen, ohne daß er am richtigen Platz wäre. Er ist so wahrhaftig Maler, daß es ihm reicht, drei Farb­flecke auf die Leinwand fallen zu lassen, damit sie lebt und ein Bild wird ..."

 

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