Richard Lindner


Lebenslauf & Werk


  • 1901 geboren am 11. November in Hamburg; Eltern: Julius Lindner, Mitglied der Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde, Handlungsreisender; Mina Bornstein, Tochter deutsch-amerikanischer Juden
  • 1905 Umzug der Familie Lindner nach Nürnberg
  • 1909 diverse Umzüge innerhalb Nürnbergs
  • 1913 Mina Lindner eröffnet ein Geschäft für maßgefertigte Korsetts, vermutlich, weil das Einkommen des Vaters zu gering ist
  • 1922 Richard Lindner beginnt ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg; er belegt Kurse in Zeichnen nach dem lebenden Modell und in Ölmalerei; bis dahin Arbeit als Verkäufer; diverse Auftritte als Pianist, die ihn zu dem Entschluß gebracht haben, sich den Bildenden Künsten zu widmen, da der bohemenhafte Lebensstil der Künstler ihn angezogen hat
  • 1925 lebt in Frankfurt; kehrt nach Nürnberg zurück, um sein Studium fortzusetzen
  • 1926 Meisterschüler von Professor Max Körner an der Kunstgewerbeschule Nürn­berg; Beteiligung an mehreren Wettbewerben für Spielzeuggestaltung und Tabakwer­bung; zusammen mit Mitschülern Gestaltung von Grafiken
  • 1927 Umzug nach Berlin; Entwurf und Umschlagillustration zu „Drei Bücher des Lachens“, Ullstein-Ver­lag, Berlin
  • 1929 erneute Anmeldung in Nürnberg; eine Woche nach seiner Rückkehr zieht er nach München
  • 1930 Heirat mit Elsbeth Schülein, einer Mitschülerin aus Nürnberg;  Illustrationen für Zeitungen und Zeitschriften für den Verlag Knorr und Hirth; Zusammenarbeit mit Hermann Landshoff; Artikel über diese Illustrationen in der Grafikzeitschrift „Das Zelt“, erste Publika­tion über Lindner; Entwurf von 13 Zeichnungen und einer Umschlagillustration für das Buch „Grock, Grock, Ich lebe gern!“, die Autobiografie des Clowns Grock, Ull­stein-Verlag, Berlin
  •  1933 Emigration nach Paris
  • 1936 vier Aquarelle, die auf Werbeplakaten für den Londoner Klavierfabrikanten Barnes produziert werden, zu sehen auch in seiner ersten Ausstellung
  • 1939 nach der Kriegserklärung mit seiner Frau und anderen Flüchtlingen von der französischen Polizei interniert; Elsbeth Lindner wird zuerst freigelassen und emigriert in die Vereinigten Staa­ten
  • 1941 Lindner hat das Konzentrationslager überlebt und emigriert in die USA; Arbeit als Zeitschriften- und Buchillustrator
  • 1942 Werbeauftrag der Container Corporation of America; Lindners „Eternal Summer on the Table“ wird in die 21. Jahresausstellung werbe­grafischer Arbeiten aufgenommen, die vom Art Director’s Club of New York im Metropolitan Museum of Art ausgerichtet wird; Trennung von Elsbeth
  • 1943 Tod des Vaters; Lindner reicht Einbürgerungsantrag in die USA ein
  • 1944 Scheidung von Elsbeth; Illustration einer Ausgabe von Gustave Flauberts „Madame Butterfly“
  • 1946 Umschlagillustration für die amerikanische Ausgabe von Hermann Kestens „Die Zwillinge von Nürnberg“
  • 1948 „The Continental Tales of Henry Wadsworth Longfellow“ erscheint mit 12 Illustrationen und einer Umschlagzeichnung von Richard Lindner; Einbürgerung in die USA
  • 1950 Reise nach Paris, um dort den Sommer zu verbringen und zu malen; nach seiner Rückkehr nach New York malt er „Marcel Proust“
  • 1952 er erhält den Award for Distinctive Merit vom Art Director’s Club of New York für ein Portrait von Immanuel Kant (Werbeauftrag der Container Corpo­ration of America); ein Parfumhersteller verpflichtet ihn für ein Jahr als Werbegrafiker; er malt „The Child’s Dream“; Lehrauftrag als „instructor in graphic impression“ am Pratt Institute in Brook­lyn
  • 1953 Reise nach Europa; im August Beginn der Studien für sein erstes größeres Gemälde „The Meeting“
  • 1954 erste Einzelausstellung in Betty Parsons’ Galerie, allerdings ohne daß ein Bild verkauft wird; er zeichnet Programmhinweise für das CBS-Fernsehprogramm „Studio One“ (so auch Andy Warhol)
  • 1956 Arbeit als Lehrbeauftragter für Design am Pratt Institute; er verbringt den Sommer in Paris
  • 1957 Gastkünstler an der Yale University School of Art and Architecture, New Ha­ven, Connecticut; Verleihung des William and Noma Copley Foundation Award
  • 1959 Lindner trifft Warhol
  • 1960 Ernennung zum Assistenzprofessor für Kunst am Pratt Institute
  • 1961 Lindners erste Einzelausstellung in der Cordier and Warren Gallery in New York; die William and Noma Copley Foundation veröffentlicht die erste Monogra­fie über Lindner
  • 1962 das Gemälde „Musical Visit“ wird als erste seiner Arbeiten im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt; das Museum of Modern Art erwirbt „The Meeting“; Einzelausstellung in der Robert Fraser Gallery in London
  • 1963 Teilnahme an der Ausstellung „Americans 1963“ im Museum of Modern Art; Lindner verbringt den Sommer in Italien
  • 1965 Einzelausstellung in der Galerie Claude Bernard in Paris und Teilnahme an der Ausstellung „Erotic Art 66“ in der Sidney Janis Gallery in New York
  • 1966 Beendigung der Lehrtätigkeit am Pratt Institute; kurz vor dessen Tos besucht er René Magritte in Brüssel
  • 1967 im Vorfeld der ersten Lindner-Retrospektive erstellt Rolf-Gunter Dienst in Zu­sammenarbeit mit Arne Ekstrom ein vollständiges Werkverzeichnis; erste Edition einer Grafik-Mappe „Marilyn Was Here“ bei Manus Presse, Stutt­gart; Beteiligung an der Ausstellung „Hommage to Marilyn Monroe“ in der Sidney Janis Gallery
  • 1968 Teilnahme an der Documenta IV in Kassel; erste Museumsretrospektive; Reisen nach Leverkusen, Hannover, Baden-Baden und Berlin
  • 1969 erste amerikanische Museumsretrospektive in Berkeley, Kalifornien, und in Minneapolis; Heirat mit der Malerin Denise Kopelmann; diverse Reisen nach Paris, Kalifornien, Florida, Italien und London
  • 1970 Veröffentlichung von Monografien über Lindner; Verleihung des Lichtwark-Preises der Stadt Hamburg
  • 1971 „Fun City“, eine Mappe mit 14 Litografien, wird von Samuel Shore für Shore­wood Publishers, New York, veröffentlicht, die Mappe beruht auf einer Folge von früheren Aquarellen; Richard und Denise Lindner reisen des öfteren nach Paris und erwerben dort eine Wohnung
  • 1972 Mitgliedschaft in der Academy of Arts and Letters in New York; die Fisher Fine Art Ltd. in London und die Galerie Knoedler and Co. in New York werden Lindners Kunsthändler und bleiben es bis 1975; Lindner verbringt fortan die Sommermonate in seinem Atelier in Paris
  • 1974 Retrospektive „Richard Lindner“ zunächst im Musée National d’Art Moderne in Paris, dann in Rotterdam, Düsseldorf, Zürich, Nürnberg und Wien
  • 1975 Galerie Maeght in Paris übernimmt Lindners Vertretung
  • 1976 erster Besuch in Nürnberg seit seiner Emigration
  • 1977 letzte Museumsretrospektive im Museum of Contemporary Art in Chicago zu Lindners Lebzeiten; in dem Film „Richard Lindner `77“ erörtert er sein Leben und seine Kunst
  • 1978 Ausstellung seiner letzten Arbeiten in der Sidney Janis Gallery; er verstirbt im Alter von 77 Jahren

Bestand (Auswahl)