ANGELIKA JELICH


Leben und Werk


Angelika Jelich hat Mitte bis Ende der 70er Jahre Bildende Kunst in Münster an der Pädagogischen Hochschule sowie der Westf. Wilhelms-Universität studiert. Hier in Münster hat sie auch ihren 1. Wohnsitz. Daneben ist die Künstlerin häufig in New York anzutreffen. Nicht weit davon, in Long Island, hat sie einen Stützpunkt, wo sie sich mehrere Wochen im Jahr aufhält.

 

Angelika Jelich bevorzugt in ihrer Kunst das Heitere und Positive. Und dennoch fordert sie mit ihren unterschiedlichen Werkgruppen den Betrachter heraus, sei es durch die ungewöhnliche Kombination verschiedener Materialien, sei es durch provokante Statements oder Fragestellungen. Ob florale Ästhetik oder urbane Alltagskultur - ihre farbintensiven Arbeiten machen neugierig.

 

Soviel zur Zusammenfassung, gehen wir nun etwas ins Detail.

 

Recht ungewöhnlich für unsere Sehgewohnheiten sind die sogenannten Transparencies. Sie bilden eine Besonderheit im Œuvre von Angelika Jelich, handelt es sich schließlich um eine eigens von ihr entwickelte Technik.

 

Ein zumeist fotografisch und grafisch gestalteter Hintergrund wird mit unterschiedlich colorierten, transparenten Farbfolien kombiniert. Durch die individuelle Anordnung von verschiedenfarbigen Streifen entsteht die Illusion eines durchlässigen Bildraumes.

 

Diese Bilder sind geprägt von Jelichs regelmäßigen Aufenthalten in den USA, vorrangig New York.

 

So erscheinen in einer ersten Gruppe, der sogenannten urbanen oder „Urban Tansparencies“ bekannte New Yorker Gebäude wie z.B. das Chrysler Building oder die Brooklyn Bridge, die durch den Einsatz der farbigen Folien eigens in Szene gesetzt werden. Auch das typische New Yorker Taxi, das „Yellow Cab“, oder die Fensterfassade eines Hochhauses oder aber der Kölner Dom erfahren so eine neue Aufmerksamkeit.

 

Diese Stadtimpressionen vermeiden jede farbliche Weichzeichnung, sondern zitieren in ihrer Neonfarbigkeit vielmehr die Lichtsprache der Metropole.

 

Bei der zweiten Gruppe der Transparencies werden z. B. bekannte Persönlichkeiten der anglo-amerikanischen Kultur mit Statements wie „I have a secret“, „Hope in the morning“ oder „Enjoy life – be happy“ zu künstlerischen Bildeinheiten verbunden, die durchaus zum Nachdenken auffordern. Denn Audrey Hepburn, Marilyn Monroe, Madonna und sogar die Beatles teilen uns Botschaften mit, die wir in diesem Zusammenhang nicht zwangsläufig erwarten würden. Für diesen neuen Kontext zeichnet allein die Künstlerin verantwortlich. Allen gemein ist jedoch ein eher positiver Kontext und auch Parallelen zur Pop Art sind durchaus erkennbar. So auch bei dem Bild „Diva“, das mit Schlagworten wie „Love“ oder „Live“ aufwartet. Da genau dieses Bild aber eine Berühmtheit wie Maria Callas zeigt und gleichzeitig den Betrachter mit der Aussage „I’m invisible“ (ich bin unsichtbar) konfrontiert, kann man durchaus eine gewisse Provokation erkennen. Denn wer stand mehr im Rampenlicht als die Callas?

 

Doch auch ohne jegliche Textbeigabe fordern Jelichs Transparencies zum genaueren Hinsehen auf. Das „Young couple at the water“ lässt die unterschiedlichsten Interpretationen zu. Was spielt sich bei den beiden jungen Leuten gerade ab? Der unvermittelte Blick der jungen Frau in die Kamera wirft Fragen auf. Fragen, die jeder für sich selbst beantworten darf, die Künstlerin lässt dafür genügend Raum.

 

Eine weitere Werkgruppe bilden die Collagen, von denen u.a. eine kleine Auswahl im Kabinettzimmer gezeigt wird. Hier muss man näher hinschauen, um das Konglomerat aus verschiedenen Materialien zu entschlüsseln. Karton, Folie, Fotografie und Farbe verschmelzen zu einer wunderbar ästhetischen Einheit. Und auch hier sind die Gestaltung von Schrift und Malerei nicht als Gegensatz konzipiert, vielmehr gehören diese zusammen. Damit schlagen die Collagen einen Bogen zu den Transparencies.

 

Im künstlerischen Schaffen von Angelika Jelich besitzt die Malerei einen hohen Stellenwert. Hier dominieren florale und farbige Abstraktionen. Vor allem die großen Formate strahlen eine gewisse Lebhaftigkeit und Leichtigkeit, gepaart mit farbharmonischer Verspieltheit aus. Ein sehr kräftiger, pastoser Farbauftrag weist auf Jelichs Leidenschaft im Umgang mit der Farbe hin. Acrylfarben kommen dabei genauso zum Einsatz wie Pigmentfarben. Man könnte meinen, sie bemalt die Leinwand nicht damit, sondern modelliert sie. Die Bilder erhalten auf diese Weise einen reliefartigen Charakter. Manche sind mit Ritzungen versehen (z.B. großes Hochformat an der langen Wand), wodurch darunter liegende Farbschichten zum Vorschein kommen.

 

Angelika Jelich spürt der Farbe regelrecht nach, sie besitzt einen guten Instinkt für Farbkomposition, für Farbwirkung. So auch bei dem Bild „Colors 1“ im Kaminzimmer. Es zeigt eine Reihung von roten, grünen, türkisfarbenen und gelben Farbklecksen auf weißem Grund. Die unterschiedlich großen Tupfen mit Farbverläufen, Vermischungen und Farbspritzern sowie ihre relativ freie waagerechte und senkrechte Anordnung lassen das Bild organisch wirken, wie ein Blumenbeet von oben.

 

Angelika Jelichs Bilder wirken lebendig, regelrecht dynamisch. Das quadratische Pigmentbild an der Kopfwand z.B. erscheint wie eine Verwirbelung von stilisierten Blütenformen, die in einen gelben Farbstrudel geraten sind.

 

Eine weitere spannende Werkgruppe sind die Fotografien auf Acrylglas. Angelika Jelich bleibt auch hier ihren floralen und positiv besetzten Motiven treu, deren Arrangements ungewöhnliche Bildrealitäten hervorrufen. Sie ordnet künstliche Blüten, Schmetterlinge und Smileys in einer bestimmten Art und Weise z.B. zu einem Blumenstrauß, einem Stern oder einem Kreis, teilweise gelegt auf einen schwarzen Untergrund oder wie in unserem Einladungsbild - wie zufällig gestreut - und in Kombination mit Malerei. Diese unglaublich leuchtstarken Kompositionen würde ich als moderne Stilleben bezeichnen. Vergänglich, was den Aufbau des Motivs anbelangt, und zugleich konserviert nur durch das Festhalten auf Film.

 

Apropos leuchtstark: Leuchtstark sind natürlich auch ihre Leuchtkästen, die sogenannten Lightboxes. Je nach Stimmungslage oder Botschaft lassen sich die Motive frei auswechseln. Hier begegnen wir Titeln wie: „In love, couple on red“, „Oh boy“, „Peace“ und „Yoga“. Die mitunter kindlich naiv anmutenden Motive besitzen auch ohne Licht schon eine hohe Leuchtkraft, die natürlich durch die LED-Beleuchtung nochmal gesteigert wird.

 

Mit ihren unterschiedlichen Werkgruppen ist Angelika Jelich formal breit aufgestellt. Inhaltliche Überschneidungen bilden dann aber wieder eine zusammenführende Klammer, die zu einem einheitlichen Gesamtwerk führen.