patrizia casagranda


vita


Patrizia Casagranda wurde in Stuttgart am 22.07.1979 geboren (Deutsch-Italienerin). Sie lebt und arbeitet in Krefeld, den Niederlanden und in Indien.

  • 2002 Design-Diplom mit Auszeichnung an der FH Niederrhein
  • Seit 2002 Artdirektorin in Krefeld/Düsseldorf/Venlo
  • Seit 2000 tätig fürs International Art Center
  • 1994 2 Jahre Schülerin von Thomas Dürr (Maler in Stuttgart)
  • Besuch der Malakademien in Nizza, Ravensburg und Trier
  • Buchgestaltung und Zusammenarbeit mit Günther Uecker und Markus Lüpertz
  • Ich arbeite in Deutschland, den Niederlanden und Indien.
  • Ausstellung 2017 im Museum of Contemporary Art, Beijing, China
  • Messe: Luxembourg Art Fair 2016
  • 2017 Sommerausstellung galerie luzia sassen | Windeck/Schladern

Auszeichnungen/Awards

  • 2008 bei der Internationalen Designermesse
  • 2005 Art Directors Club Preis für die Buchgestaltung Emile van der Kruk
  • 1997 F. G. Winterpreis
  • Seit 2015 freischaffende Künstlerin

werk


Die Arbeiten von Patrizia Casagranda laden zum Träumen und zu einer Reise der Gedanken ein. Ihre anmutigen Frauenporträts stammen scheinbar aus einer anderen, vergangenen Zeit und Welt, obwohl es sich eindeutig um die Gesichter moderner junger Frauen handelt. Sie schafft ausdrucksstarke Verbindungen aus Collage, Malerei und Graffiti – die dadurch erreichte Vielschichtigkeit ihrer Bilder ist faszinierend.
Auf den ersten Blick wirken ihre Werke zunächst sehr illustrativ und ästhetisch. Dann offenbaren die verwendeten Materialien jedoch immer neue Ebenen und Perspektiven; die Zerbrechlichkeit der sich teilweise scheinbar lösenden Farbschichten, eingearbeitete Spitzenstoffe und Fasern und der reliefartige Farbauftrag lassen an alte Wandmalereien einer längst vergangenen Epoche denken. Patrizia Casagranda bezieht die vermeintliche Verwitterung ihrer Werke ebenso mit ein wie zufällige Rostprozesse, angegriffenes Metall, gerissenes und vergilbtes Papier und Strukturen, die an abbröckelnden Putz erinnern, an Verfall, an eine vergängliche Welt, aber auch an ein Stück Ewigkeit. Diese Vergänglichkeit, sowohl des Materials als auch der jugendlichen Schönheit der Dargestellten, reiht sich einerseits ein in das immer wieder zitierte „Vanitas“-Motiv in der Kunst, erweist sich aber zugleich auch
als Reflektion auf die schnelllebige Medienwelt mit ihren scheinbar täglich wechselnden Werbestrategien und Schönheitsidealen. Patrizia Casagrandas Werke faszinieren durch eine fast greifbare Materialität – selten geworden in einer Zeit der zunehmend digitalen Kunst. Schicht um Schicht offenbaren sie dem Betrachter ihre Seele und das Darunter. In diesen Bildern kann man lesen, man kann sie durchwandern und sich in ihnen verlieren.
Sie erzählen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, zitieren aus Märchenwelten und mythologischen Sagen. Ganz wichtig in diesen Arbeiten ist die Verwendung von starken Symbolen, deren Bedeutungen uns die Künstlerin auch nicht vorenthält. Offensichtlich findet eine starke Interaktion der Porträtierten mit der sie umgebenden Symbolwelt statt – es ist deutlich zu erkennen, dass die Gedanken der Frauen um die Entschlüsselung dieser Symbole kreisen und ihr mitunter erstaunter Gesichtsausdruck die Frage nach dem Sinn hinter den ihr zur Seite gestellten Gleichnissen stellt. Diese stammen aus dem Bereich der Märchen, Mythen und Sagen und werden  subtil in die Bildsprache eingebaut. Wir sehen Spiegel als Zeichen der Selbsterkenntnis
und Pferde als Metapher für eine unbändige Lebensenergie. Kirschen stehen für Liebe und Zuneigung, Hirschkühe für Grazie und Schnelligkeit, Pfauen für Herrschertum und Schönheit – diese und viele andere Symbole haben für die Künstlerin große Bedeutung. Sie dienen der fragmentarischen Erzählung der Bilder und können als mögliche Gedankenbrücke verstanden werden – letztlich möchte Patrizia Casagranda den Betrachter einladen, sich ihren Bildern mit eigenen Geschichten und Gefühlen zu nähern.
Einen Teil des Jahres verbringt die Deutsch-Italienerin in Indien – auch die Einflüsse dieser für uns so geheimnisvollen Welt sind in der Bildsprache ihrer Arbeiten zu finden.
Ein weiteres ästhetisches Gestaltungsmittel ist die Typographie, die in ihren Werken oftmals auftaucht; als illustratives Element fügt sie sich in die Bildkomposition ein, dient jedoch der Andeutung einer Geschichte – nichts, was sich wirklich lesen oder verstehen ließe, sondern nur eine Aufforderung an den Betrachter, selbst zu schauen, eigene Gedanken und Vorstellungen zu entwickeln.
Die Bilder mögen auf den ersten Blick brüchig und vergänglich wirken – setzt sich der Betrachter jedoch mit der Vielschichtigkeit der Darstellung und Themen auseinander, wird deutlich, dass die Materialität der Werke, die Sinnlichkeit der dargestellten Frauen und die starke Symbolik in ihrer Symbiose auch als Kraftfeld und Motivation dienen können. Die jahrhundertealten Märchen und Mythen, die Patrizia Casagranda zitiert, die von Generation zu Generation weitererzählt werden, berühren unser kollektives Gedächtnis und schaffen Erinnerungswelten. Sie ermöglichen es uns, in ihnen zu verweilen, sich einen Moment aus dem Alltag zu lösen und die eigenen Gedanken und Gefühle zu erspüren. Patrizia Casagranda möchte mit ihren Bildern Freude schenken und positives Erleben beim Betrachten auslösen – mit all den schönen Wesen in ihren faszinierenden Märchenwelten gelingt ihr dies mühelos.

                                                                                                                                                           K. Weeke (Kunsthistorikerin)

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