patrizia casagranda

"touch my soul" - bis 12. Juli 2026


Vita


Ausbildung und künstlerische Anfänge

 

1979–2002
· 1979 in Stuttgart geboren, frühe Hinwendung zur Kunst und zum gestalterischen Arbeiten
· 1994 Beginn einer intensiven künstlerischen Ausbildung
· Zwei Jahre Schülerin bei dem Maler Thomas Dürr in Stuttgart, dort grundlegende Auseinandersetzung mit Malerei und Bildaufbau
· Besuch der Malakademien in Ravensburg und Trier, Erweiterung der künstlerischen Praxis um klassische und experimentelle Techniken
· Parallel erste gestalterische Arbeiten im Bereich Buchgestaltung sowie Zusammenarbeit mit Günther Uecker und Markus Lüpertz, wodurch früh Berührungspunkte zur etablierten Gegenwartskunst entstehen
· Seit 2000 Tätigkeit für das International Art Center, Einbindung in internationale künstlerische Kontexte
· Studium Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule Niederrhein
· 2002 Abschluss mit Auszeichnung, Entwicklung eines ausgeprägten Verständnisses für Typografie, Komposition und visuelle Konzepte


Gestalterische Tätigkeit und berufliche Prägung

 

2002–2016
· Tätigkeit als Artdirektorin in Krefeld, Düsseldorf und Venlo, Arbeit an komplexen visuellen Kommunikationsstrategien
· Vertiefung eines konzeptuellen Denkens in Bild und Schrift, insbesondere im Zusammenspiel von Typografie, Struktur und serieller Gestaltung
· Entwicklung einer klaren visuellen Sprache, die bereits zentrale Elemente der späteren künstlerischen Praxis vorwegnimmt
· In dieser Phase entstehen wesentliche Grundlagen für den späteren Umgang mit Textfragmenten, urbanen Einflüssen und vielschichtigen Bildräumen


Freischaffende künstlerische Tätigkeit

 

seit 2016
· Entscheidung für die freischaffende künstlerische Praxis und konsequente Hinwendung zur autonomen Bildproduktion
· Arbeit in Deutschland, den Niederlanden und Indien, wobei insbesondere die Aufenthalte in Indien prägende inhaltliche Impulse liefern
· Entwicklung einer eigenständigen, materialbetonten Arbeitsweise, die Malerei, Collage, Schablonentechnik und urbane Bildsprachen miteinander verbindet
· Zunehmende internationale Präsenz durch Ausstellungen, Kunstmessen und Biennalen
· Etablierung innerhalb der zeitgenössischen Kunstszene durch eine unverwechselbare Verbindung von Materialität und gesellschaftlicher Thematik


Ausstellungen und internationale Präsenz (Auswahl)

 

seit 2016
· Internationale Ausstellungstätigkeit in Europa, den USA und Asien, unter anderem in Florenz, New York und Rom
· Teilnahme an bedeutenden Kunstmessen und Großausstellungen der Gegenwartskunst
· Präsentationen im musealen sowie im kunstmarktbezogenen Kontext
· Wichtige Stationen umfassen unter anderem die Ausstellung Banksy & Friends – Storie di artisti ribelli im PALP Museum in Pontedera, die Florence Biennale (2023 und 2025), die Biennale di Venezia (2024 und 2026) sowie Messebeteiligungen wie die Volta Basel und die Discovery Art Fair Cologne.

WERK


Das Werk von Patrizia Casagranda ist durch eine dichte Verbindung von Materialität, Bildstruktur und gesellschaftlicher Reflexion geprägt. Im Zentrum steht eine eigenständig entwickelte Technik, die sich in ihren sogenannten „Sculptural Dot Paintings“ manifestiert. In einem aufwendigen Schichtprozess entstehen reliefartige Oberflächen, in denen sich Farbe, Pigmente, Papier und urbane Fundstücke zu einer physischen Präsenz verdichten, die den Bildraum in den realen Raum erweitert.

Charakteristisch ist die Verschiebung der Wahrnehmung zwischen Nähe und Distanz. Während sich in der unmittelbaren Betrachtung ein Gefüge aus Rasterpunkten, Schichten und materiellen Eingriffen zeigt, formieren sich diese Elemente aus der Entfernung zu klar lesbaren Motiven. Besonders häufig treten weibliche Porträts hervor, die zwischen ikonischer Überhöhung und anonymen, gesellschaftlich verorteten Figuren oszillieren.

Inhaltlich richtet sich der Blick auf zentrale Fragestellungen der Gegenwart. Themen wie soziale Ungleichheit, kulturelle Identität, Religion und globale Lebensrealitäten werden in einen visuellen Zusammenhang überführt, ohne in illustrative Eindeutigkeit zu verfallen. Serien zu indischen Müllsammlerinnen oder zu unterschiedlichen Glaubenssystemen eröffnen ein Spannungsfeld, in dem individuelle Biografien und kollektive Erfahrungen gleichwertig nebeneinanderstehen.

Formal bewegt sich Casagranda zwischen Pop Art, Street Art und experimenteller Abstraktion. Die punktuelle Struktur erinnert an Verfahren des Pointillismus, während Schablonen, Typografie und urbane Materialien Bezüge zur Street Art herstellen. Diese Einflüsse werden jedoch nicht zitiert, sondern in eine eigenständige, materialbetonte Bildsprache überführt, die sich durch ihre physische Dichte und visuelle Komplexität auszeichnet.

Ein zentrales Moment liegt in der Transformation des Ephemeren. Materialien aus dem urbanen Alltag, Spuren von Gebrauch und Vergänglichkeit werden in einen dauerhaften künstlerischen Zusammenhang überführt. Daraus entsteht eine Spannung zwischen Flüchtigkeit und Beständigkeit sowie zwischen gesellschaftlicher Realität und ästhetischer Verdichtung.

 

Patrizia Casagranda versteht Kunst als Medium der Reflexion und der visuellen Kommunikation. Ihre Arbeiten verbinden sinnliche Präsenz mit inhaltlicher Tiefe und eröffnen einen Raum, in dem sich gesellschaftliche Themen in einer vielschichtigen, offenen Bildsprache manifestieren.