GÜNTER FRUHTUNK


Lebenslauf


  • 1923 - geboren in München
  • 1940/41 - Studium der Architektur an der Technischen Hochschule in München
  • 1941 - Kriegsfreiwilliger (erste Zeichnungen & Aquarelle: Landschaftmotive)
  • 1945 - Privatstudium bei dem Maler und Grafiker William Straube, Neufrach
  • 1948 - Begegnung mit Willi Baumeister; 1949 Begegnung mit Julius Bissier: Fördern seine Annäherung an die gegenstandslose Malerei
  • 1952 - Arbeit im Atelier von Fernand Léger, Paris
  • 1955 - Arbeit im Atelier von Hans Arp
  • 1967 - Professur an der Akademie der bildenden Künste, München
  • 1982 - gestorben in München durch Suizid

 
Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2002 - Galerie Appel und Troschke, Frankfurt am Main
  • 1989 - Galerie Appel, Frankfurt am Main
  • 1983 - Galerie Defet; Nürnberg
  • 1980 - Galerie Defet; Nürnberg
  • 1979 - Staatsgalerie Moderne Kunst; München
  • 1978 - Galerie Defet; Nürnberg
  • 1977 - Galerie Appel und Fertsch
  • 1976 - Galerie Defet; Nürnberg
  • 1973 - Städtische Galerie im Lenbachhaus; München
  • 1973 - Badischer Kunstverein; Karlsruhe
  • 1970 - Musée d`Art Moderne de la Ville de Paris
  • 1969 - Kunsthalle Mannheim
  • 1969 - Kestner-Gesellschaft; Hannover
  • 1968 - Galerie Nächst St. Stephan; Wien
  • 1968 - Galerie Appel und Fertsch; Frankfurt
  • 1965 - Galerie Der Spiegel; Köln
  • 1963 - Museum am Ostwall; Dortmund
  • 1960 - Galerie Denise Renè; Paris
  • 1949 - Kunstverein; Konstanz
  • 1947 - Galerie Der Kunstspiegel; Freiburg i. Br.

 
Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 1983/84 - "Neue Malerei In Deutschland"; Berlin; München; Düsseldorf
  • 1982 - "Hommage à Barnett Newman"; Berlin
  • 1973 - "Malerei in Deutschland"; Hamburg; München
  • 1968 - documenta 4; Kassel
  • 1968 - 34. Biennale; Venedig
  • 1965 - "The responsive eye"; New York, Museum of Modern Art; St. Louis, City Art Museum; Seattle, Seattle Art Museum; Stockholm, Galerie Bleue; Pasadena, Pasadena Art Museum; Baltimore, Museum of Art; Paris, Galerie Denise Renè" Konkrete Kunst"; Emden
  • 1964 - "Mouvement 2"; Paris, Galerie Denise Renè
  • 1962 - "Konstruktivisten"; Leverkusen, Museum
  • 1959 - Kunstverein Kassel z. Z. der documenta 2
  • 1953 - Kunstverein; Freiburg i. Br.

Werk


Günter Fruhtrunk widmet seine Kunst einer unbedingten Sachlichkeit, die an den Ideen des Konstruktivismus ansetzt und über diese hinaus eine strenge und rhythmische Bildwelt schafft. Seine Werke sind geometrisch abstrakt und ungegenständlich.

 

Wichtigstes Ausdrucksmittel ist der unkonventionelle und nonkonforme Umgang mit der Farbe. Der Künstler selbst erklärt in Bezug auf seine Bildsprache, das diese das ‚Freisein des Sehens’ ermöglichen solle. Kennzeichnend für Fruhtrunks schaffen ist zudem seine Formensprache. Er verwendet verschiedenfarbige Balken aus Acrylfarbe, die sich diagonal über das Bild legen. Sie sind monochrom und flächig-zweidimensional gestaltet. Anonymisierte Bilder ohne Pinselduktus und malerische Handschrift. Die Balken variieren in ihrer Anordnung und Stärke. Nicht selten werden gegenläufige Schnitte eingesetzt. Bei genauerer Betrachtung fallen die schmalen Farbstriche an den Konturen stärkerer Balken auf, die die Dynamik der Balkenformation unterstützen. Sie irritieren die Schärfe der Konturen, das heißt die Abgrenzungen der Farbfelder.

 

Noch in den 50er Jahren von den dynamischen Raumvorstellungen der Suprematisten um Kasimir Malewitsch beeinflusst, gelangte Fruhtrunk seit den frühen 60er Jahren zu einer strikten Verneinung einer Raumillusion in der Fläche. Der Betrachter kann nicht mehr unterscheiden, welche Farbe den Hintergrund und welche den Vordergrund bildet. Es ist für Fruhtrunk die Konsequenz aus dem Bemühen, das Bild von Fremdbestimmungen und Identität zu befreien. "Meine Bilder bilden nichts ab", so der Künstler selbst. Fruhtrunk ist um eine Aktivierung des Sehvorgangs bemüht, allerdings jenseits von Wünschen, Erfahrungen und Überlieferungen. Die ‚Anonymisierung der ästhetischen Bildsprache’ folgt Fruhtrunks Vorstellung von einer Versachlichung der Kunst, die allein auf die Wahrnehmung des Sichtbaren zielt: „Nicht Idealisierung, heroische Spannung, Seinsverklärung und Weltauslegung im Ungegenständlichen und mit Gestik beschwerender Materialität auf der Fläche wird wahrnehmbar, sondern Freisein des Sehens kommt zur Entfaltung in der Fläche.“ Die Streifen in Fruhtrunks Bildern wandern über die Bildfläche, das Schwarz birgt Ruhe, die Farben blenden und die Perspektiven scheinen sich fortwährend zu ändern. Wendet man seine Augen von den Bildern, sieht man Nachbilder. Das Sehen und Wahrnehmen selbst, stehen im Fokus des künstlerischen Schaffens. Fruhtrunk steht damit in der Tradition der geometrischen Kunst, etwa der ‚Konkreten Kunst’ eines Max Bill, und lässt sich zur amerikanischen ‚Minimal Art’ parallelisieren.