AKTUELLE AUSSTELLUNG: ALT bleibt JUNG


Vor ziemlich genau 48 Jahren, am 10.09.1972, eröffnete die Galerie Kley ihre erste Einzelausstellung mit den Werken von Otmar Alt, einem jungen Künstler, der in Berlin und London und anderswo schon erfolgreiche Ausstellungen hatte, aber hierzulande noch recht unbekannt war. Das sollte sich bald ändern…

 

Alt bleibt jung – auch mit 80 Jahren geht Otmar Alt mit spielerischer Leichtigkeit, unbändiger Experimentierfreude und Kreativität ans Werk. Als Schöpfer unverwechselbarer phantasievoller Bilderwelten gehört er seit Jahrzehnten zu den populärsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Mit unserer farbenfrohen Jubiläumsausstellung möchten wir dem Künstler zu seinem Geburtstag gratulieren sowie unsere langjährige Verbundenheit zum Ausdruck bringen.

 

In unserer Ausstellung zeigen wir Malerei und Graphik aus der Zeit von Ende der 1960er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre. Das graphische Werk des Künstlers besticht durch eine enorme Intensität und Vitalität der Farben ähnlich seiner Malerei. Flächig und klar in den 1970ern noch, differenzierter im Farb- und Formenverlauf und feingliedriger in den Figuren der darauffolgenden Jahre. Phantasievoll, doch nicht weltentrückt geben seine unerschöpflichen Bildthemen Auskunft darüber, was sich im Inneren des Künstlers abspielt, sei es durch persönliche Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen, Begegnungen oder dem Weltgeschehen.

 

Wer ein Werk von Otmar Alt betrachtet, erkennt es meist sofort, es ist unverwechselbar, unverkennbar. Otmar Alts Stil sucht seinesgleichen. Gefunden hat der Künstler diesen Stil schon früh. Und – sich treu bleibend – weiterentwickelt. Nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf Papier. Denn die grafische Kunst mit ihren vielfältigen Möglichkeiten breitete sich auch vor Otmar Alt als eine interessante eigenständige Palette aus Hoch-, Tief-, Flach- und Durchdruck aus, die es für die künstlerische Aussage zu nutzen galt. Die Vorteile gegenüber der Malerei liegen auf der Hand. Diese Kunst lässt sich stärker verbreiten, eine Originalgrafik ist erschwinglicher als ein gemaltes Unikat und dennoch haftet auch ihr eine gewisse Exklusivität an, ersteht man als Sammler vielleicht ein Blatt mit niedriger Auflage, einen Künstlerdruck oder ein im Anschluss an den Druck handcoloriertes Blatt bis hin zu einer vollständigen Mappe wie z. B. das „Zauberblumenland“ aus unserer eigenen Edition von 1974.

 

Der Individualist Alt erscheint - vergleichbar mit Friedensreich Hundertwasser - wie kein anderer namhafter Künstler so präsent – sei es in der motivischen wie auch formgebenden Gestaltung von Alltagsgegenständen bis zur Bibel, sei es in der unerschöpflichen Variation des eigenen Formenkanons, sei es in seinem Credo vom Vorrang des Schönheitsbegriffes in der Kunst, aber vor allem in der Überzeugung, Kunst dürfe nicht elitär sein, sondern solle allen gehören. Um sie zumindest möglichst vielen zugänglich zu machen, erscheint es daher nur konsequent den vielfältigen und vervielfältigenden Weg der Grafik einzuschlagen. Eine Grafik, die dem Anspruch des Künstlers Genüge leistet. So hat Otmar Alt wie Hundertwasser die grafische Landschaft intensiv durchforstet, um ein Ergebnis zu erzielen, das seinen Gemälden am nächsten kommt. Denn Otmar Alt ist und bleibt Maler.

 

Die experimentelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Drucktechniken erfolgt während der 1970er-Jahre mehr oder minder parallel auf dem Gebiet der Serigrafie, Lithografie, Zinkografie (Autotypie) sowie der Radierung (Kaltnadel, Strichätzung, Aquatinta) und des Linolschnitts und Prägedrucks.Der Künstler schätzt die Vorteile des Siebdrucks: eine hohe Farbbrillanz und eine gleichbleibende Qualität aller Exemplare, selbst bei höherer Auflage. Alts frühe Experimente im Siebdruckverfahren ergeben Bilder, die ganzflächig mit Farbfeldern gefüllt sind mit ebenfalls farbigem Hintergrund. Die starkfarbigen, monochromen Flächen, die sich puzzleartig zu Figürlichem zusammensetzen und noch eine gewisse Härte und Scharfkantigkeit vermitteln, werden mit der Zeit zunehmend fleckenartig strukturiert, gestreift, gepunktet, marmoriert und erhalten dadurch eine Ornamenthaftigkeit, die von Willy Athenstädt der »Patternmalerei« zugeordnet wird.  Die reine Farbfläche wird es ab den 1980er-Jahren kaum noch mehr geben.

 

Weitere Raffinessen kommen abwechselnd als gestalterische Elemente hinzu: Schwarze Konturlinien werden glänzend nachgedruckt und setzen neben den ohnehin schon intensiv leuchtenden Farbflächen einen wesentlichen Akzent. Alts Grafiken erhalten eine rahmende Linie, oftmals mit einem Farbton, der aus einer Form am Bildrand heraus- und um das gesamte Motiv herumführt. Innen und außen verschmelzen zu einer geschlossenen Einheit. Für die Serigrafie verwendet der Künstler nicht nur weißes Papier, sondern vermehrt sogar schwarzes, wodurch eine noch stärkere Strahlkraft der Farben erzielt wird. Ganz gleich, ob schwarz oder weiß als Blatt zugrunde liegt, Partien mit diesen unbunten Farben werden beim Drucken ausgespart wie bei einem Aquarell. Die so freigestellten Figuren beginnen sich abzuheben und zu schweben.

 

Otmar Alt schenkt uns vorwiegend Heiteres, Märchenhaftes, er erzählt von Fabelwelten, Phantasiewesen und Traumgebilden in kindlich-naiver Manier, allesamt positiv und optimistisch besetzt. Wer bei Otmar Alt also an der Interpretationsoberfläche verharrt, kommt nicht weiter und gibt den Künstler vorschnell auf. Losgelöst von Klischees und Standardurteilen ist jedoch wesentlich mehr im Altschen Œuvre zu entdecken. Welch ein Glück. Heiterkeit und Humor, gar Komik, ja… aber: kalkuliert eingesetzt als bewusstes Stilmittel, um sich mit Bildthemen auseinanderzusetzen, die Ausdruck persönlicher Erlebnisse, eigener Anschauungen, Befindlichkeiten und der damit einhergehenden Phantasie des Künstlers sind bzw. als Reaktion auf das allgemeine Zeitgeschehen gewertet werden können. Der schöne, malerische Schein transportiert das inhaltliche Sein. Und auch das ist kaum eindimensional. Die Vieldeutigkeit der Bildaussage ist eine der Konstanten in Alts Schaffen. Doch Otmar Alt ist kein Mahner mit dem erhobenen Zeigefinger, vielmehr will er damit ein Zeichen setzen, den Betrachter anstiften, genauer hinzusehen und die eigene Phantasie zu aktivieren und aufzuhorchen, was die eigene Gefühlswelt sagt. »Kunst kommt von Künden«, sagt der Künstler und er hat einiges zu verkünden, was man anhand der unfassbaren Fülle seines Werkes unschwer erkennen kann.

 

Und wenn die eigene Vorstellungswelt mit der Kunde des Künstlers nicht mithalten kann, leistet ein entsprechender Titel die nötige Hilfestellung auf dem Weg zur Entschlüsselung. Der Titel unterstützt den Bildinhalt, gibt eine mögliche Richtung vor, jedoch keine Lösung preis. 

 

Ausstellunsdauer: 20. September 2020 - Mitte Februar 2021

Otmar Alt

Happy Birthday

Orig. Farbserigrafie 1990

Aufl. 100

38,1 x 31, 1 cm

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e.a.-Exemplar aus der Edition Kley
250,00 €

225,00 €

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Dauerausstellung


In unserer Dauerausstellung im Obergeschoss der Galerie endeckt der Besucher eine Vielzahl reginal, national und international bekannter Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Neben Malereien, Zeichnungen, Aquarellen und Grafiken sind Fotografien, Skulpturen und Kunstobjekte ausgestellt. Auch unsere Dauerausstellung wird in regelmäßigen Abständen neu konzipiert und bestückt.